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 Re:Post 22

Arbeit:

Verstecktes Kind. Es kennt in der Wohnung schon alle Verstecke und kehrt darein wie in ein Haus zurück, wo man sicher ist, alles beim alten zu finden. Ihm klopft das Herz, es hält seinen Atem an. Hier ist es in die Stoffwelt eingeschlossen. Sie wird ihm ungeheuer deutlich, kommt ihm sprachlos nah. So wird erst einer, den man aufhängt, inne, was Strick und Holz sind. Das Kind, das hinter der Portiere steht, wird selbst zu etwas Wehendem und Weißem, zum Gespenst. Der Eßtisch, unter den es sich gekauert hat, läßt es zum hölzernen Idol des Tempels werden, wo die geschnitzten Beine die vier Säulen sind. Und hinter einer Türe ist es selber Tür, ist mit ihr angetan als schwerer Maske und wird als Zauberpriester alle behexen, die ahnungslos eintreten.

Benjamin, Walter: Einbahnstraße. S. 44. In: Gesammelte Schriften, Bd. I-VII, unter Mitwirkung von Theodor W. Adorno und Gershom Scholem, hrsg. von Tiedemann, Rolf/Schweppenhäuser, Hermann. Frankfurt/M, 1972–1989. Bd. 4, S. 83-148.